Design Thinking

DESIGN THINKING

Autorin: Lena Pieper

Problemlösungsorientierter, 3-6-phasiger Prozess, der die Nutzer*in in den Mittelpunkt stellt, aber auch wirtschaftliche Machbarkeit und technologische Umsetzbarkeit einbezieht. Multidisziplinäre Teams bearbeiten gemeinsam ein Problem. Je nach Problemstellung kommen verschiedene agile Methoden innerhalb der Designphasen bedarfsorientiert zum Einsatz. Der Prozess verläuft non-linear und iterativ und ist besonders zur Lösung unbekannter, unklar definierter und komplexer Probleme geeignet (sogen. Wicked Problems).

Anwendungsbereiche

  • Nutzerzentrierte Innovation
  • Komplexe Problemstellungen

Materialliste

  • Je nach verwendeten Methoden

Zeit: 6 Wochen

min. 6 (Innovationsteam)

Phase 1 Understand: Verstehen

In dieser Phase geht es erst einmal darum, die Design-Challenge zu verstehen und alle relevanten Dimensionen des zugrunde liegenden Problems zu erfassen. Dazu wird eine umfassende Recherche von aktuellen Erkenntnissen aus Forschung und Praxis sowie vergleichbarer Projekte durchgeführt, z.B. per Desktoprecherche und Expert*innenbefragung. So können Wissenslücken identifiziert werden und Themen für die qualitative Recherche in Phase 2 aufgestellt werden.

Folgende Punkte sollten am Ende von Phase 1 beantwortet sein:

  • Wer sind die Nutzer*innen, die von der Lösung profitieren sollen?
  • Wer sind relevante Personen, die außerdem von der Fragestellung berührt werden?
  • Aktueller Stand aus Forschung und Praxis (z.B. Trends, Statistiken, Marktanalysen, Technologien usw.)
  • Welche Informationen (über die potenziellen Nutzer*innen und deren Kontext) fehlen dem Team?
  • Mit welchen Methoden können die Wissenlücken geschlossen werden (Wie, wo und von wem erhält das Team weitere Informationen)?
  • Plan für weiteres Vorgehen in Phase 2

Methoden für die Phase 1

Phase 2 Empathy: Beobachten

Ziel der Phase Empathy (auch „Observe“ oder „Discover“) ist es, die Perspektiven und Sichtweisen der Nutzer*innen und relevanter Stakeholder mittels qualitativer Datenerhebung zu verstehen. Spannend wird es da, wo wir auf unerwartete Fakten stoßen, die wir uns am Schreibtisch noch nicht vorstellen konnten.

Step 1: Dazu begibt sich das Team direkt in den Kontext der jeweiligen Personen (ins Feld), um sich in deren Lebenswelt, Bedürfnisse und Erwartungen hineinversetzen zu können. Mögliche Methoden sind z.B. Interviews oder Beobachtung.

Step 2: Ergänzt die so gesammelten Erkenntnisse werden durch Sekundäranalysen ergänzt und abgeglichen (z.B. demografische Daten aus offiziellen Berichten, Best-Practice-Beispiele, etc.), um herauszufinden, inwieweit sich der beobachtete Fall verallgemeinern lässt.

Methoden für die Phase 2

Phase 3 Define: Sichtweisen definieren

In dieser Phase werden die Erkenntnisse zusammengeführt (Synthese) und der Fokus für die Designchallenge festgelegt.

Step 1: Verdichtet die Rechercheergebnisse zu sogenannten „Insights“, kurzen, prägnanten Aussagen (max. 1 Satz)

Step 2: Erstellt Problem Statements

Step 3: Wählt die aus eurer Sicht vielversprechendsten Problemstatements aus und entscheidet, in welche Richtung und für welche Nutzergruppen ihr Lösungen entwickeln möchtet.

Step 4: Bestimmt relevante Zielgruppen und Personas, die mit ihrer Lebenswelt und ihren Bedürfnissen die Grundlage für den weiteren Designprozess bilden.

Step 5: Findet eure How might we…?- Question

Methoden für die Phase 3

Phase 4 Ideate: Ideen finden

Unsere Lieblingsphase: Hier toben wir uns kreativ aus…

Step 1: Unter Einsatz von Kreativmethoden kreiert ihr eine Menge Ideen. Dabei sollte jede einzelnen Idee eine Antwort oder Teilantwort auf das „How“ unserer „How might we… ? -Question“ beinhalten.

Step 2: Nun sortiert und bewertet ihr eure Ideen schrittweise nach relevanten Kriterien. Je nachdem, was im Kontext eures Projektes sinnvoll erscheint, könnten das z.B. Umsetzbarkeit, Innovationsgrad oder auch Einzelaspekte eurer Problemstellung sein. Der InnoMate liefert dir einige Methoden zur Evaluation.

Step 3: Kill your darlings! Wie zufriedenstellend löst das Konzept das Problem (für den Nutzer)? Daran sollte jede Idee gemessen werden. So bleibt jede Konzept kausal nachvollziehbar und individuell auf die zuvor identifizierten Bedürfnisse zugeschnitten.

Methoden für die Phase 4

Phase 5 Prototype: Prototypen entwickeln

„It’s Alive!!“ wollen wir am Ende der Phase sagen können. Ausgewählte Ideen werden konkretisiert und ausgearbeitet. Das geschieht z.B. in physischer oder digitaler Form mithilfe unterschiedlicher Medien und Materialien, die am besten schnell verfügbar, günstig und/oder wiederverwendbar sind (z.B. Kunststoffverpackungen, Pappkartons, etc.).

Step 1: Wählt ca. 3-5 Ideen aus, die ihr in Phase 6 testen wollt.

Step 2: Was soll vor allem getestet werden: z.B. Funktion, Ergonomie, Attraktivität, Verständlichkeit, intuitive Bedienung, …?

Step 3: Wählt dementsprechend eine Prototyping-Methode aus, die zu eurem Vorhaben passt und dabei hilft, die Kernfunktion der jeweiligen Idee am besten zu vermitteln und so ein gemeinsames Verständnis zu erlangen.

Wichtig: Fragt euch immer, wieviel Detailgenauigkeit euer Prototyp benötigt, um aussagekräftiges Feedback von euren Testern zu bekommen! Unnötig viele Details kosten euch wertvolle Zeit, ist hingegen der Prototyp zu wenig konkret, wird wahrscheinlich auch das Feedback fuzzy und unbrauchbar.

Methoden für die Phase 5

Phase 6 Test: Testen

In dieser Phase testen wir unsere Prototypen in iterativen Testzyklen direkt mit potenziellen Nutzer*innen, Expert*innen und Vertreter*innen der Projektpartner. Dies unterscheidet den Design Thinking Prozess von traditionellen Entwicklungsprozessen. Der Vorteil dieses frühen Testens ist, dass mit vergleichbar kleinem Kosten- und Zeitaufwand aufdeckt, welche Ideen und Prototypen am meisten Nutzen für Nutzer*innen und Projektpartner haben, und so kostenintensiven Fehlentwicklungen vorgebeugt wird.

Entscheidend sind hier die Dokumentation und anschließende Analyse des gesamten Prozesses, um die neuen Erkenntnisse mit dem vorherigen Kenntnisstand vergleichen zu können.

Jedes einzelne Testing gibt Aufschluss darüber, ob noch eine Iterationsschleife nötig ist, um den Prototypen zu optimieren. Mit jeder Iteration werden die Prototypen detaillierter, konkreter und realistischer.

Step 1: Plant euren Nutzertest. Mit wem, wo, wann und wie soll er stattfinden?

Wichtig: Welche Informationen benötigt der User, welche solltet ihr ihm vorenthalten (Man neigt manchmal dazu, genau die Aspekte zu erklären, die man eigentlich testen will…) ?

Step 2: Bestimmt, wer während des Tests dokumentiert (min. 2 Personen) und wer den Test anleitet (1Person).

Step 3: Führt euren Nutzertest durch und dokumentiert währenddessen(!) Feedback, Beobachtungen und Erkenntnisse.

Step 4: Analysiert den Test.

Step 5: Lasst eure Erkenntnisse in die Erstellung eines neuen Prototypen einfließen.

Step 6: „Iterate!“ Wiederholt diese Schritte so oft, bis euer Produkt die gewünschte Reife besitzt!

Methoden für die Phase 6

Iterate… Was bedeutet das?

Weiterführende Links

Prozesszuordnung: Design Thinking